ADFC Ettlingen zur Ost-West-Verbindung: Farbe auf die Straße malen genügt nicht

(ig) Die ADFC-Gruppe in Ettlingen begrüßt das Vorhaben der Stadt, eine durchgehende Ost-West-Verbindung für Radfahrende einzurichten. Dabei sollten aber nicht altbekannte Fehler der Verkehrsplanung wiederholt werden, warnen die Fahrrad-Aktivisten.

Radfahrende auf dem Graf-Rhena-Weg bei Ettlingen
Der Graf-Rhena-Weg wird schon jetzt oft von Radfahrenden benutzt © Ingo Günther

Es ist eine der ältesten Forderungen des ADFC in Ettlingen: In der Nord-Süd-Richtung sowie von Osten nach Westen muss Ettlingen durchgehende sichere Verbindungen für Radfahrer bekommen. Während eine Lösung für die Nord-Süd-Verbindung bereits in Sicht ist, ließ diese bislang für die Durchfahrt vom Bahnhof Busenbach bis zur Ettlinger Westgrenze auf sich warten. Der ADFC begrüßt es daher, dass der Ausschuss für Umwelt und Technik des Ettlinger Gemeinderats jetzt grünes Licht für die Planung dieser Verbindung gegeben hat.

Für eine gute Idee hält es der ADFC insbesondere, den Radverkehr von der Stadt zum Bahnhof Busenbach über den Graf-Rhena-Weg zu führen und diesen dafür zu ertüchtigen. "Auf der Strecke entlang der Alb fährt es sich angenehmer als am Rand der verkehrsbelasteten Pforzheimer Straße", sagt Johannes Kloppenborg, Sprecher der Ettlinger Gruppe. Dort sind Radfahrer an Einfahrten und Einmündungen stark gefährdet, weil Autofahrer*innen das Vorfahrtsrecht der Radler nicht immer respektieren.

Allerdings darf nach Auffassung des ADFC die Route über den Graf-Rhena-Weg nicht dazu führen, dass künftig der Radweg entlang der Pforzheimer Straße vernachlässigt wird. Auch dort muss nach Meinung des ADFC weiter an der Sicherheit für Radfahrer gearbeitet werden. "Denn auch die Ziele entlang der Pforzheimer Straße müssen mit dem Fahrrad gefahrlos erreichbar werden", sagt Johannes Kloppenborg.

Die Führung des Radverkehrs in der Ettlinger Innenstadt durch die Albstraße sieht der ADFC als sinnvoll an. Zwar bietet die Albstraße auf dem kurzen Stück zwischen Färber- und Hirschgasse nur relativ wenig Platz. "Aber schon derzeit werden über diese Straße Fernverbindungen für Radfahrer geführt, ohne dass es zu größeren Konflikten mit Fußgängern kam", gibt Johannes Kloppenborg zu bedenken. "Es handelt sich um eine Strecke von lediglich 50 Metern, die keine weiträumige Umleitung rechtfertigt. Zudem dürften viele Radler ohnehin Ziele in der Innenstadt ansteuern, so dass auch eine andere Ost-West-Route die Albstraße nicht entlasten würde." Die große Mehrheit der Radfahrenden erkennt die Situation auf diesem Abschnitt und fährt entsprechend rücksichtsvoll. Die wenigen anderen könnte man, falls nötig, mit einem Verkehrszeichen auf die Gefahrenstelle aufmerksam machen, so der ADFC. 

Strikt lehnt es der ADFC ab, die Radfahrer stattdessen über die Pforzheimer Straße und den stark vom Autoverkehr belasteten Lauerturm-Kreisel zu führen. Die kombinierten Rad- und Fußwege sind dort stellenweise ohnehin zu eng. So würde das Konfliktpotenzial zwischen Radfahrern und Fußgängern lediglich verlagert. Und um von der inneren Pforzheimer Straße auf den Radweg in der Schillerstraße zu kommen, müssten Radfahrer derzeit drei Viertel des Kreisels umrunden und dabei nacheinander die Pforzheimer Straße, die Karlsruher Straße und die Scheffelstraße überqueren. Ein riskantes Manöver: An allen Ein- und Ausfahrten zum Kreisel übersehen Autofahrer oft das Vorfahrtsrecht der Radfahrenden. Nach Beobachtung des ADFC sind gefährliche Situationen dort bereits an der Tagesordnung. Der ADFC rät allen Gemeinderäten, das selbst einmal zur Hauptverkehrszeit mit dem Fahrrad auszuprobieren.

Grundsätzlich fordert der ADFC, die künftige Verbindung auch mit baulichen Maßnahmen sicherer zu gestalten. Die Stadt Ettlingen sollte prüfen, welche der jetzt von Bund und Land bereitgestellten erheblichen Mittel zur Förderung des Radverkehrs dazu eingesetzt werden können. Eine billige Lösung wie das Aufmalen von Fahrrad-Schutzstreifen reicht nach Einschätzung des ADFC nicht aus. Diese führen regelmäßig dazu, dass Autofahrer den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Meter innerorts nicht einhalten, oder werden gleich komplett ignoriert. Schutzstreifen bieten Radlern daher kaum mehr Sicherheit und sind allenfalls dort sinnvoll, wo nur wenig Verkehr herrscht und Tempo 30 nicht nur vorgeschrieben, sondern auch kompromisslos durchgesetzt wird.

Und unabhängig davon, wie künftig die Ost-West-Verbindung ausgestaltet wird: Der ADFC Ettlingen fordert, dass die Radfahrenden an jeder Stelle unmissverständlich über die neue Route geführt werden. "Durch eindeutige Hinweisschilder, Straßenmarkierungen und bauliche Maßnahmen muss sichergestellt werden, dass alle Verkehrsteilnehmer stets klar erkennen, wo der Radverkehr verläuft", sagt Johannes Kloppenborg. "Undurchsichtige Routen halten die Verkehrsteilnehmer*innen davon ab, das Fahrrad zu benutzen und erhöhen das Unfallrisiko immens."


https://ettlingen.adfc.de/neuigkeit/adfc-ettlingen-zur-ost-west-verbindung-farbe-auf-die-strasse-malen-genuegt-nicht-1-1

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